Seitdem ich vor kurzem F
rau Mäusedoktors Mit-Kindern-Reisebericht gelesen habe, kreiselt dieser kleine eigene Bericht in meinem Kopf herum

. Verreisen mit Kind(ern). Städtereise mit Kind(ern). Wenn auch nicht unbedingt als Urlaub

.
Es geschah vor fast genau 5 Jahren – die Kröte war also fast 2 – daß Familie Lotterleben promovierenderweise plötzlich vor dem allseits beliebten “Wohin mit dem Kind wenn die Kita zu hat?”-Problem stand. Denn wie es immer so ist – ungünstige Umstände treffen meistens punktgenau zusammen, und so fielen Frau Lotterlebens langgeplante und gebuchte 2 Wochen Laboraufenthalt in Wien genau mit Herrn Lotterlebens heißester Feldarbeitsphase, den Kindergartenferien, dem Urlaub von Frau Lotterlebens und Herrn Lotterlebens Eltern zusammen. Frau Lotterlebens Eltern trauten sich nicht zu, das Kind mit in den Urlaub zu nehmen, Herrn Lotterlebens Eltern auch – zumal sie länger als zwei Wochen Urlaub machten und ein Kinderzwischentransport viel zu umständlich geworden wäre, und auch ein 12-Stunden-Feldarbeitstag war mit einer knapp 2-Jährigen nicht realistisch umsetzbar. (Labortermin verschieben war wegen fehlender Slots und dringend benötigter Daten aber auch keine Option).
Blieb also nur ein Ausweg: Die Kröte mußte mit und Frau Lotterleben stürzte sich in die Organisation. Schnell hatte sie ausfindig gemacht, daß die uni über eine Krippe verfügte, praktischerweise auch noch direkt auf dem Campus, auf dem sie auch wohnen würde. Angerufen und erfahren – wie sollte es auch anders sein – daß diese Krippe genau in ebenjenen zwei Wochen geschlossen hat. Ich solle mich an das Studentenwerk wenden. Weitertelefoniert und schließlich die Adresse einer “Notbetreuung” (also für all die anderen Eltern, die in diesen zwei Wochen auch darauf angewiesen sind…) in einem kleinen Montessori-Kindergarten bekommen. Und tatsächlich, nach einem sehr netten Telefonat in dem ich meine Zwickmühle erklärt hatte, bekam ich die Zusage, die Kröte für diese zwei Wochen zu nehmen. Erst danach warf ich einen Blick auf den Stadtplan… und das Logistikzentrum lief auf Hochtouren. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln diese Strecke morgens und nachmittags hin- und zurückzufahren würde mich die halbe Laborzeit kosten. Blieb nur eine Möglichkeit – Fahrrad+Anhänger mußten mit. Dann wäre eine Strecke in einer halben Stunde zu schaffen. Erste Recherche: Wann fährt und wie lange fährt ein Zug der Wien und bekomme ich beides da unter. Schnell wurde klar: Zug ist keine Option – zumindest nicht, wenn man neben Fahrrad, Anhänger und Gepäck auch noch ein Kleinkind transportieren möchte (Abfahrt spät abends, Umsteigen mitten in der Nacht, etc…). Blieb also Fliegen und damit durfte ich mich in die Wissenschaft einarbeiten, wie man ein Fahrrad im Flugzeug transportiert.
(Jetzt, wo ich das so im Rückblick schreibe, hört sich das auch für mich wahnsinnig aufregend und nach einen leicht irrsinnigen Plan an (so insgesamt), aber damals während der Doktorarbeit, als wir regelmäßig Gepäck, Feldausrüstung und Kind für drei Monate ans andere Ende der Welt transportierten, klang 2 Wochen Wien nach einem Kinderspiel

).
Schließlich waren
die Koffer der große Rucksack gepackt (damals waren wir noch nicht spießig

!), das Fahrrad und Anhänger in die Hälfte der extragroßen Rolle Luftpolsterfolie eingewickelt (die andere Hälfte wartete im Anhänger auf ihre Verwendung für den Rückflug), die kleine Kröte so gut es ging vorbereitet auf das große Abenteuer und Herr Lotterleben fuhr uns zum Flughafen. Einchecken und Gepäckabgabe mit Herrn Lotterlebens Hilfe ging ganz gut, das Gepäckabholen in Wien verdrängte ich erstmal…
In nicht einmal 2 Stunden, die die Kröte ganz vorbildlich auf meinem Schoß verschlafen hatte, waren wir da. Gepäckabholen, Fahrrad und Anhänger auspacken und aufbauen und dann die 5 Kilometer in die Stadt fahren – das war der Plan. Und vor dem bekam ich angesichts der fortgeschrittenen Stunde (es war gegen 6 Uhr abends) und dem Marathon der mir noch bevorstand, ein bißchen Bammel.Und genau hier beginnt das Erlebnis “Reisen mit Kind”, mit all den vielen Kleinigkeiten, die
ohne Kind einfach an mir vorbeigegangen wären…
Die Frau nämlich, die mich wohl beobachtet hatte, wie ich Rucksack und Anhänger vom Gepäckband auf den Wagen gehievt hatte und nun mit einer Hand diesen schob, während ich mit der anderen gleichzeitig versuchte, das Fahrrad in die richtige Richtung zu bewegen. Nahm den Gepäckwagen, fragte mich, wo ich hinmüßte und brachte mich ohne Worte zum nächsten Taxistand. “Ich brauche ein Großraumtaxi zum Campus, bitte mit Kindersitz!” und zu mir “Das mit der Bezahlung regel ich schon!”. Ich war tatsächlich ziemlich sprachlos, als kurz darauf der Taxifahrer vor uns stand, sie den Preis mit ihm aushandelte, mir ihre Karte in die Hand drückte und uns noch eine wunderbare Zeit in Wien wünschte und – verschwand.
Wir kamen also ganz luxuriös und schnell an unserer Behausung an und nach dem langwierigen Befreien des Fahrrads von all seiner Verpackund ein bißchen Staunen über unser neues Zuhause fielen wir müde ins Bett.
Denn schon am nächsten Tag war der große Tag – Kindergarten suchen und die Kröte im Zeitraffer “eingewöhnen”. (Auch jetzt, mit etwas Abstand, ein kleiner Wahnsinn – allein, die Unbekümmertheit der Jugend damals

). Und die Kröte war einfach wunderbar, spielte dort, als hätte sie nie etwas anderes getan, verabschiedete sich von mir und – blieb. (Sogar den Gruppen-Tagesausflug in der zweiten Woche machte sie mit…). Zurück zum Campus und zum Labor begleitete mich als nur ein ganz kleiner Knoten im Bauch.
Und damit begann unser kleiner Alltag für die nächsten zwei Wochen. Sehr frühes unfreiwilliges Aufstehen (die Kröte war leider schon immer ein Morgenmensch…) um 6 Uhr, frühstücken, Brotdose packen, bereitmachen für unsere kleine Fahrradtour. Danach für die Kröte Zeit zum Spielen und für mich ein bißchen “Wissen schaffen”. Und ab dem späten Nachmittag unsere ganz besondere Mutter-Tochter-Zeit, mit dem Fahrrad und dem Stadtplan bewaffnet Wien erkunden.
Ohne die Kröte wäre ich nie auf das Fahrrad angewiesen gewesen. Hätte die Stadt wie jeder andere Touri mit der Bahn oder zu Fuß bereist und so viel weniger davon gesehen und vor allem aus einem ganz anderen Blickwinkel. Ein Fahrrad ist einfach unschlagbar toll, um eine Stadt zu entdecken! Hätte keine kleinen Schleichwege und versteckte Ecken gefunden.
Wäre nicht selbst zur Touristenattraktion geworden (Sie glauben nicht, wie selten Fahrradanhänger in Wien sind (dabei ist es doch so schön flach da…) und wirklich jedes Mal, das wir unterwegs waren, haben asiatische Touristen mit den Fingern auf uns gezeigt und Fotos geschossen…).
Hätte nie erfahren, daß die Touristeninformation einen eigenen Kinderstadtplan herausgibt, in dem sämtliche Spielplätze, kinderfreundliche Restaurants und sonstige Attraktionen speziell für Kinder eingezeichnet sind. Hätte viel, viel weniger Zeit auf Spielplätzen verbracht und hätte vor allem nie den wunderbaren, einzigartigen Wasserspielplatz auf der Donauinsel gesehen und einen ganzen langen Tag dort verbracht:
(
hier gewinnen Sie auch einen kleinen Einblick).
Ohne die Kröte wäre ich nie auf die Idee gekommen, in der Donau baden zu gehen, sondern hätte mich bei schönstem Sonnenschein sicher durch sämtliche Touristenattraktionen bewegt…
Ohne die Kröte wäre ich nie an einem Wochenende um 5 Uhr morgens in die Stadt aufgebrochen (Verzweiflungstat aufgrund von “Kind extremst-Frühaufsteher) um dann um 7 mit friedlich schlafenden Kind im Anhänger ganz in Ruhe fotografieren zu können.
Ohne die Kröte und die kindliche Langsamkeit hätten all die Touristenattraktionen, die wir dann doch besuchten, viel weniger Spaß gemacht.
Ohne die Kröte hätte ich wahrscheinlich den ganzen Tag im Labor gestanden und wäre morgens nicht fluchend auf Spielzeugtiere getreten oder auf Pixiebüchern ausgerutscht.
Ohne die Kröte wäre es einfach nur Wien gewesen. So aber bleibt es für immer unser ganz besonderes kleines Mutter-Tochter-Abenteuer.