Kranker Mupf

Wenn das Mupfel krank ist, wird man um 10 aus dem Kindergarten angerufen, daß das Kind ganz schlaff in der Ecke hängt und über Bauchschmerzen klagt. Eilen Sie also aus dem Büro zum Kindergarten und finden Sie das Kind in Decken gekuschelt im Hundekörbchen (lachen Sie nicht…).

“Können wir zu Hause Eisenbahn spielen?” spricht es .

Zu Hause bekochen Sie es mit Salbeitee und lesen vor.

Dann spielen Sie endlich Eisenbahn. Zwischendurch verschwindet das Mupfel auf dem Klo und rein akustisch ergießt sich ein halber Wasserfall in selbiges. Ihre Frage “Hast Du Pipi gemacht?” kann nur rhetorisch sein und sogleich antwortet es aus dem Klo: “Nee…”. Sie ahnen Schlimmes und finden es auch.

Das Mupfel aber hüpft fröhlich zurück ins Kinderzimmer, trinkt die volle Teetasse in einem Zug leer und baut ungerührt weiter Eisenbahn.

Es ist mittlerweile 12 und Sie bestimmen, daß jetzt aber Mittagsschlafzeit ist (nicht nur, damit das Mupfel sich erholen kann, nein, auch damit sie zumindest einen Teil ihres angebrochenen Arbeitstages aufholen können.

Schlafen geht nur “Aber mit Dir!” und in “Mamas Bett”. Sie legen sich mit dem festen Vorsatz hin, aufzustehen sobald das Mupfel eingeschlafen ist und erwachen kurz nach halb 2 wieder. Eine halbe Stunde später findet auch das Mupf sie etwas verschlafen auf dem Sofa vor ihrem Laptop wieder (das übrigens zum Verrücktwerden langsam ist, seitdem wir es vor 3 Wochen auf die neue Windows-Version umgestellt haben).

Preisen Sie die Erfindung der Bildschirmunterhaltung und versuchen Sie nebenbei zu arbeiten. Achten Sie unbedingt darauf, ihre wissenschaftliche Argumentation nicht zu reimen und aus Versehen mit “hex-hex” abzuschließen.

Kredenzen Sie dem hungrigen Kind zwei Zwiebäcke und eine halbe Banane. Bauen Sie frisch gestärkt an der Bahnstrecke weiter. Dann der fröhliche Ruf nach “Wasserfarben!”. Kleiden Sie das Kind in den Malkittel und platzieren es am Esstisch, holen die Wäsche aus der Maschine und nutzen Sie die Zeit. “Ich mal jetzt einen Regenbogen. Und eine Sonne!” flötet das Kind hinter Ihnen gut gelaunt.

Der Gatte betritt die Bühne. Begrüßt das Mupfel am Tisch und Sie hören nur ein “Was hast Du denn da auf dem Kittel? – Hast Du gespuckt?”. Das Mupfel nickt betreten. Ausziehen, waschen, frisch einkleiden und knuddeln und dann das arme kleine Kind zum Vorlesen aufs Sofa verfrachten.

Mitten im zweiten Buch und mitten im Gespräch über das Buchgeschehen ergießt sich das Kind mit einem lauten Plätschern über die vorsorglich ausgebreiteten Handtücher und Spucktücher. Das Mupfel scheint genauso überrascht wie Sie selbst über diesen Ausbruch, sitzt aber schon kurz nach dem Umziehen wieder ins Buch vertieft neben Ihnen. Springt auf um Ihnen zu zeigen wie “schoggen” geht (“guck mal, das ist nur wie schnell laufen”) und hüpft geschickt zwischen Schienen und Häusern entlang. Setzt sich singend hin und stellt Tiere und Bäume neu auf.

Ganz ohne Diskussionen geht es um 7 ins Bett, läßt sich überzeugen, daß die Kuscheltiere heute nacht besser in sicherer Entfernung auf dem Sitzsack schlafen, hört sich verständnisvoll nickend an, daß der Bauch grad einfach Platz zum Aufräumen und Reparieren braucht und deshalb alles was im Weg liegt, wieder rauswirft und schnarcht zwei Gläser Wasser später tief und fest.

Bis jetzt unfallfrei. Drücken Sie mir die Daumen.

(Magen-Darm war noch nie unseres, kommen wir nicht mit klar. Wir bleiben wohl doch bei Bronchitis. Da weiß man, was man hat; trinkt Tee, inhaliert ein bißchen, liegt im Bett und läßt sich pflegen. Und schwankt nicht erratisch zwischen himmelhochjauchzend und hundeelend…)

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Eine Art Morgengedicht…

Morgendliche Diskussionen über das Wechseln der Unterhose mit der 4jährigen – anstrengend.
Die Bitte, die benutzte mit runter in den Wäschekorb zu nehmen – erfolglos.
Die Unterhose nehmen und in die hintere Hosentasche stecken, um es dann doch selbst zu tun – Mütteralltag.
Im Büro feststellen, daß man den Schritt mit dem Wäschekorb vergessen hat – schweißtreibend.
Ausnahmsweise heute die knielange Jacke angezogen haben – unbezahlbar.

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Sandkastengespräch, belauscht

Kröte: “Was wünschst Du Dir heut abend?”

(Die Kinder dürfen abwechselnd aussuchen, wie das Gute-Nacht-Programm aussieht. Momentan wechseln wir zwischen Vorlesen, Shaun und Es war einmal das Leben…)

Mupfel: “Nochmal so einen Film wie mit den Tieren, den wir mal geguckt haben.”
K.: “Nein, das geht nicht.”
M.: “Warum nicht?”
K.: “Wir gucken nicht einfach so einen Film!”
M.: “Do-och!”
K.: “Nein! Das ist doch was besonderes. Das machen wir mit Mama und Papa zusammen. Und Papa ist ja heut abend nicht da.”
M.: “Aber wir können doch mit Mama gucken?”
K.: “NA-AIN! Andere Leute machen das vielleicht, die gucken einfach so mal einen Film. Der J. zum Beispiel, der guckt ganz viel Fernsehen. Wir aber nicht. Wir sind nicht alle Leute. WIR sind anders!*”

(Oh Mann, die eigene Pädagogik hört sich von außen ganz schön spießig an… – aber hey, is ja doch nicht alles durchgerauscht ;-))

*Bitte glauben Sie mir, der letzte Satz kommt nicht von uns! (Der davor allerdings schon…)

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Spaghetti für alle

oder: Wie unser Kind Vegetarier wurde.

Ab und an gibt es bei Familie Lotterleben Räuberessen. Decke im Wohnzimmer ausbegreitet, Picknick mit Pommes und Würstchen und ein Filmchen dazu.

Nachdem die Kinder sich allerdings schon während ihrer “mit Papa allein zu Hause Woche” so emotional hoch anspruchsvolle Sachen wie “Feivel der Mauswanderer” anschauen mußten (“Ich will zu meiner Mama!”; ich glaube ich habe schon mal erwähnt, daß die Nachkommenschaft eher zart besaitet ist was die Konfrontation mit bewegten Bildern angeht…), dachten die Biologen-Eltern, daß es zur Abwechslung auch mal einfach eine nette Tier-Doku sein kann.

Also eine Folge von BBC Life ausgewählt (Reptilien und Amphibien) und in den gemütlichen Freitagabend gestartet. Fliegende Frösche, riesengroße Frösche, minikleine Frösche, lustig bunte Chamäleons, Schlangennester. Faszinierende Aufnahmen. Vor lauter “Mama, was ist das?” und “Papa, was machen die da?” verschwinden die Pommes sehr viel langsamer als gewohnt. Die elterlichen Biologenherzen lachen.

Bis zum Showdown. Komodowarane greifen einen Wasserbüffel an, beißen ihn und warten über Tage, bis er genug geschwächt von ihrem Gift ist und überwältigen ihn als Gruppe.

Das große Kind kann nicht hinschauen, hält sich aber erstaunlich tapfer… Das kleine Kind mampft ungerührt seine Wurst.

Die Selbstbeherrschung hält bis zum Zähneputzen, als das große Kind heulend zusammenbricht. “DIE A-HARME KU-HU!” schluchzt unser kleines Seelchen. Alle Trösteversuche und  Umarmungen helfen nur kurz, die Kuh ist immer noch tot, die Hinweise auf vielleicht hungrige Warankinder, die jetzt was zum Fressen hatten dringen nicht in die bislang kleine heile Welt vor.

Irgendwann haben wir die arme Kröte so weit beruhigt, daß die Zähne geputzt und der Schlafanzug angezogen werden kann. (Und die begeisterten Biologeneltern beschließen vor lauter schlechtem Gewissen, Begegnungen mit der grausamen Tierwelt vielleicht doch erstmal wieder auf Shaun das Schaf zu beschränken).

Doch kaum im Bett, ertönt aus dem Kinderzimmer wieder ein herzzerreißendes Schluchzen. Das Krötenkind liegt unter ihrer Bettdecke und weint bitterlich. “Die Kuh soll nicht sterben!” – “Aber die Warane müssen doch auch was essen, so ist das nun mal in der Natur.” – “Aber die sollen die Kuh nicht essen!!” – “Was sollen sie denn dann essen?” – “SPAA-GHE-HE-TII!” – “Aber die können sich doch keine Spaghetti kochen!” – (schluchzenden Lachen, dann wieder bittere Tränen) – “und wenn sie nichts essen, müssen die doch auch sterben, das ist doch dann auch traurig.” – “Nein. Das sind ja keine Säugetiere!” (Sie sehen, Mitleid gibt es nur für Angehörige der eigenen systematischen Wirbeltierklasse…) – “Und was ist mit uns? Die Wurst, die Du heute abend gegessen hast, war doch auch mal ein Säugetier, ein Schwein nämlich. Und ab und zu ist das Fleisch, das wir essen, auch von einer Kuh – die mußte dafür auch sterben.” – “Dann will ich kein Fleisch mehr essen. Nie mehr!”

Seitdem ist unser großes Kind also Vegetarier. “Mama, kannst Du mehr Obst für mich schneiden, ich ess doch jetzt kein Fleisch mehr.” Wir schneiden Obst und reichen Käse, tischen Salat und Gemüsepizza auf…

(Die Grillsaison beginnt – es bleibt also spannend ;-))

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Reiseschnippsel

  • Mir war noch nie so unglaublich schlecht auf einem Flug, dass ich beim Aussteigen leichter als beim Einsteigen war…
  • Allerdings ist dies – wenn auch unangenehm – ein scheinbar sehr hilfreiches Mittel gegen Jetlag. Nach Ankunft einfach 14 Stunden durchschlafen und morgens ganz gewohnt aufwachen.
  • Die Häuser hier sind wirklich so hoch – aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell dran.
  • Es gibt hier viele – sehr viele – Menschen. Aber im Gegensatz zu vielen deutschen Grossstaedten sind die unheimlich entspannt, freundlich und tolerant. Am auffallendsten ist das in der Metro. Man wird in Ruhe gelassen – es sei denn, man braucht Hilfe. Sofort eilen mindestens 2 Leute herbei, helfen beim Einsteigen, bieten Alten, Schwangeren, Muttern ihren Sitzplatz an, bespassen das quengelnde Kind (in Deutschland wuerde man meist nur strafend angesehen…), jeder achtet darauf, dem anderen nicht auf die Fuesse zu treten oder den Rucksack ins Gesicht zu haengen. Und wenn man einen anderen trotzdem aus Versehen mal anrempelt – dann wird sich entschuldigt, gelacht und damit ist es gut.
  • Wenn es irgendwo eine Schlange gibt, stellen die Leute sich einfach an. Es wird nicht geschubst und gedraengelt, es wird nicht versucht, sich im letzten Moment noch vor einen anderen zu schieben, es wird nicht gestoehnt, wenn der Mensch vor einem ein bisschen laenger braucht. Sehr entspannend.
  • Man wird auch nicht boese angeguckt, wenn man mitten auf dem Weg stehenbleibt, um ein Foto zu machen. Nein, die Menschen machen tatsaechlich einen Bogen, um nichtdurchs Bild zu laufen!
  • Weiterhin ist Reisen in der Ursprungsfamilie manchmal eine ganz schoene Herausforderung – aber auch irgendwie ganz lustig. Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal soviel Zeit mit meinem Bruder verbracht habe.
  • Irgendwie scheint die DDR Vergangenheit mit ihrer Mangelwirtschaft sehr tiefgreifende Spuren hinterlassen zu haben… zwar konnte ich meinen Vater noch davon abhalten, die schoenen stabilen Plastikgefaesse (“mit Deckel!”) vom Flugzeugessen einzupacken (“die kann man wunderbar verwenden, um kleine Portionen einzufrieren!”), allerdings sind wir jetzt alle mit einem formschoenen und stabilen Plastikloeffel aus Deli versorgt.
  • Das Essen ist sehr, sehr lecker… gut, dass wir den ganzen Tag rumlaufen ;-)!
  • Mittlerweile ist es ok, so weit weg zu sein. Die Kinder sind in guten Haenden und ich weiss dank W*hatsapp sofort Bescheid, wenn das grosse Kind statt des Fussballs das kleine Kind getroffen hat… sowieso scheint die Zeit sehr schnell zu vergehen, vor allem angesichts der Tatsache, was wir alles noch angucken wollen.

 

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Big Apple

Morgen fliegt Frau Lotterleben mit Mama und Papa über den grossen Teich in das gelobte Land, in dem einem zur Einreise so freundliche Fragen gestellt werden. Weil ihr Bruderherz da jetzt schon seit mehr als 2 Jahren wohnt und weil er so selten hier ist und weil Mama und Papa Lotterleben diese Reise nie und nimmer alleine unternommen hätten. So dachten also Frau Lotterleben und ihr kleiner Bruder dass es doch eine tolle Idee wäre, den Eltern eine begleitete Reise zu schenken und sie sozusagen zu ihrem Glück zu zwingen. Also ursprünglich sollte die Reise nur für Mama Lotterleben sein, da Papa Lotterleben sich rigoros weigerte auch nur darüber nachzudenken, den Sohn zu besuchen. “Ich will da nicht hin” (wobei “da” sich auf das Reiseziel, nicht den Sohn bezog…). Doch  – den Papa einfach zu Hause lassen? Auch irgendwie doof. Also schlichtweg überrumpelt, nachdem man ihn schon in die Überraschung für die Mama eingeweiht hatte  und er sich um die “hat sie dann auch Urlaub?”-Logistik gekümmert hatte…

Nun liegt also eine Woche quasi “Ursprungsfamilienurlaub” vor uns. Angesichts der Tatsache, daß der letzte dieser Art bestimmt schon 15 Jahre her ist und an die Ostsee führte, steht uns also eine interessante Zeit bevor.

Bis jetzt war das Ganze noch irgendwie surreal und nicht wirklich ernst, zuviel im Hier und Jetzt zu tun, als daß ich Gelegenheit gehabt hätte, mir groß Gedanken zu machen. Einen besonderen Beitrag zur “ich hab keine Zeit darüber nachzudenken”-Kategorie hat der gestrige Tag geleistet: Sowohl “Auto nicht um 12 sondern erst um 5 beim TÜV” fertig und “mit kleinem Kind abends halb 9 in die Krankenhausambulanz fahren” können einem nämlich die penibel geplante Nachmittagslogistik, in der so schön “Haus putzen weil Eltern kommen” und “Endlich Tasche packen” eingebaut waren, komplett über den Haufen werfen. (Ja, das Auto hat diesmal TÜV bekommen und Nein, es ist doch nichts schlimmes, der kleine Finger ist nicht gebrochen, sondern nur ziemlich gestaucht. Was angesichts eines vor Schmerz schreiend aufwachenden Mupfels und einem dick geschwollenen und roten Finger schon erstaunlich ist. Zwar werden wir wohl nie erfahren, ob die Stauchung vom Sturz beim Spaziergang herrührt, oder ob die Kröte nicht doch aus Versehen (zusätzlich) nochmal draufgetreten ist beim Seilspringen (ein “Oh tut mir leid, das wollte ich nicht” das ihr in letzter Zeit schon ein paar Mal passiert ist…) werden wir wohl nie erfahren. Ich bin auf jeden Fall um die Erfahrung reicher, mittlerweile mit beiden Kindern stundenlang auf ein Röntgenbild wegen des Verdachts auf Fingerbruch gewartet zu haben und mit einer Entwarnung und einem dicken Verband nach Hause zu gehen. Glauben Sie mir, man kommt sich ziemlich blöd vor, wenn man Montagabend halb 11 einem Arzt gegenübersitzt und den völlig unversehrten Knochen auf dem Röntgenbild sieht (“hysterische Mutter, warum geht sie nicht tagsüber zum normalen Arzt?!?”). Aber Sie hätten das Mupfel schreien hören müssen…

Gepackt war demzufolge heute noch nix, geputzt sowieso nicht, und eingekauft auch nicht. Dafür hatte Herr Lotterleben aber seinen unverhofft freien Abend genutzt, um schon mal die Gästebetten zu beziehen, Brote zu schmieren und die im Flur herumstehenden geliehenen Umzugskartons wegzuräumen. Für den Rest blieben heute genau anderthalb Stunden zwischen Arbeit und Kinderabholen im Mütter-Mehrkampf unter anderem mit den Disziplinen “Supermarkt-Sprint”, “Eil-Einkäufe-Einräumen”, “Turbo-Staubsaugen” und “10-Minuten-Badputzen”.

Wir waren sage und schreibe 5 Minuten vor meinen Eltern zu Hause. Das Mupfel war nach einem wahnsinnigen Wutanfall im Kindergarten im Auto eingeschlafen und erst nach fast zwei Stunden wieder ansprechbar. Das Mupfel ist gerade –  nunja, wie soll ich sagen, “fordernd” wäre eine Euphemismus… Zu meiner Beruhigung vertraue ich im Moment noch auf “Phase” und “größere Umbauarbeiten” und “das gibt sich bald wieder”, denn wild tobende Wutschreie und kindliche Allmachtsphantasien (“Du sollst nicht reden!!!”) als Reaktion auf ein “Hallo” lassen sich auch als Mutter nur mit dieser Spontanmeditation ertragen. Jedenfalls ist das Mupfel meistens unausstehlich und braucht extrem viel Schlaf. Aber ich schweife ab, wir waren ja beim Taschepacken…

Die war dann tatsächlich schon um 22:00 fertig gepackt (so spät und unorganisiert hab ich noch nie einen Rucksack bestückt… immer im Hinterkopf zur Beruhigung “diesmal geht die Reise in die Zivilisation und nicht an den A… der Welt”), die Eltern sind aufgeregt und Frau Lotterleben mußte zwischendurch ab und zu feste die Zähne zusammenbeißen (oder wie würden Sie reagieren auf väterliche Aussagen wie “das Ladegerät für die Kamera hab ich nicht mitgenommen, der Akku reicht doch sonst immer so lange, das brauch ich nicht!”?).

Jetzt kann Frau Lotterleben jedenfalls nicht schlafen. Denn – eigentlich will sie gar nicht weg. Von allen Seiten hört sie “Oh wie toll, Du hast es gut” und “Ich würde auch gern mal rauskommen, so ohne Mann und Kinder”. Da kann man ja nicht drauf antworten “Hm, eigentlich mag ich gar nicht weg”, oder? Und das, wo Frau Lotterleben doch früher mit leichtem Herzen durch die Welt gebummelt ist, voll Aufregung und Neugier den Rucksack aufgesetzt hat und drauflos gefahren ist. Am Anfang allein, dann mit Herrn Lotterleben und der Kröte im Gepäck. Da war das Wegfahren aufregend und ein großes gemeinsames Abenteuer. Aber jetzt bleiben die hier und mein Herz hängt und will nicht weg; muß ich die kleinen Kinder knutschen und drücken und ihnen sagen, daß ich sie lieb hat und daß sie gut auf sich aufpassen sollen. Tücken des Mutterlebens vor denen einen keiner warnt ;-)…

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Ja, wo laufen sie denn?

Ein etwas verkorkster Morgen, dünnhäutig und mit Nachwehen der  Freitagnachmittagsstimmung.

Gebacken. Gedanken sortiert.

Rucksäcke gefüllt mit Hefezopf, Wasser und Thermoskanne. Wanderschuhe vom Speicher geholt, Taschenmesser und Kamera eingepackt.

Im Kopf nur ein grober Plan, wohin es denn gehen soll.

Einfach losgefahren und losgelaufen.

Eingetaucht in Grün und Waldluft. Klein gefühlt unter hohen Mauern.IMG_6356

Gewandert, geredet, geschwiegen. Stöcke gesucht, Fragen beantwortet. Nein, leider meist keine waldbiologisch forschenden, sondern eher existentieller Natur…

“Wie weit ist es noch?” – “Wann machen wir endlich Picknick?” – “Wo ist denn jetzt die Staumauer?”

Hinter jeder Wegbiegung erstaunt festgestellt, daß da doch noch nicht die Staumauer ist. Weitergelaufen, mal beschwingt, mal das Mupfel an der Hand mehr hinterherziehend als begleitend.

Zur Belohnung die perfekte Picknickstelle gefunden. Nur nach 2 Stunden Wandern schmeckt eine Tasse frisch aufgegossener Instant-Espresso so gut… (richtiger Kaffee war leider aus, da wir das aber erst kurz vorm Aufbruch festgestellt hatten, war das eine wunderbare Gelegenheit uns endlich mal an die Bekämpfung des vor einigen Jahren für ein Plätzchenrezept besorgen Esspressos in diesen elendigen Portionstütchen zu machen ;-)).

Hefezopf wirkt übrigens Wunder gegen müde Füße und schlechte Wanderstimmung.

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Naja, kurzzeitig zumindest, zum Glück wußten zu diesem Zeitpunkt nur wir Eltern, daß die Wanderung wohl doch etwas länger werden würde als gedacht, die Staumauer nach ungefähr der Hälfte der Strecke, war nämlich noch lange nicht erreicht…

Doch während das müde Mupfel doch einen Großteil des weiteren Weges mal mehr, mal weniger laut wehklagend bestritt, lief die Kröte ganz zufrieden vor sich hin. Ja, die Füße taten ein bißchen weh, die Beine wurden müde, und ja, das mußte sie auch ab und zu loswerden, aber doch ist es mittlerweile ein anderes Wandern mit ihr. Selbstverständlicher, irgendwie.

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Und das, obwohl wir so lange nicht mehr wandern waren. Was ich bis heute nicht mal als großen Mangel empfunden hatte, wir waren ja schließlich immer mal wieder spazieren gewesen. Doch dann einmal draußen heute, mit einem Weg vor sich, dessen Ende noch nicht abzusehen war, einem kleinen Picknick im Rucksack, habe ich gemerkt, wie sehr mir das gefehlt hat. Einfach laufen, bergauf bergab, über Bäche hüpfen, die Aussicht genießen. Umgestürzte Bäume erkunden, Ameisenstraßen verfolgen.

Freier Kopf und müde Beine.

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Ja, die Beine wurden müd, endlich an der Staumauer und dann nur noch auf der anderen Seite zurück. Die Kröte stapfte wild entschlossen den Berg wieder hoch, das Mupfel verließen die Kräfte. Das trottelte als kleiner jammernder Wuselkopf mal an Mamas Hand, mal an Papas Hand. Ab und zu auch auf Papas Schultern und manchmal als ein Kartoffelsack.

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Die Kröte spielte unterdessen die Lokomotive und zog ihre (mittlerweile auch ganz schön müde Mutter) kichernd den Weg entlang oder trieb sie mit “Ein Hut-ein Stock-ein Regenschirm” voran.

Und immer noch eine Biegung und noch ein Berg hoch und dann wieder runter und noch eine Kurve.

Doch irgendwann dann wieder der vertraute Anfangsweg. Die hohen Mauern, die Holzstapel. Das Mupfel ist am Ende (auch wenn das hier nicht so aussieht ;-)).

IMG_6381Viereinhalb Stunden und ein langer Weg. Wie lang, haben wir zum Glück erst zu Hause beim Blick auf die Karte festgestellt. 11 Km. Elf Kilometer, die die Kröte ganz und das Mupfel bestimmt zu drei Vierteln gelaufen sind. Hätten wir das vorher gewußt, hätten wir es ihnen nicht zugemutet, nicht zugetraut.

Wie gut also, wenn man manchmal einfach losgeht, sich keine Gedanken über Strecke und Entfernung macht. Einfach mit einem groben Plan und ein bißchen Hefezopf im Gepäck.

Und vielleicht ist es gut, immer wieder daran zu denken, daß das nicht nur für Wanderungen gilt.

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